Als ich die Türe öffnete, sah ich ihn in der Ecke kauern. Er zitterte am ganzen Körper, konnte mir nicht in die Augen sehen. Schließlich sagte er mit weinerlicher Stimme:„Ich………Ich….……Ich………Hilfe!

Doch gehen wir ein paar Tage zurück in die Vergangenheit: Die Rede ist von einem Freund, welcher ein geisteswissenschaftliches Studium betreibt.  Als solcher ist er hauptsächlich im Hauptgebäude der Universität am Schottentor anzutreffen.

Das „EZA II“, wie er es nennt, spielte  keine Rolle in seinem Leben. Doch nun hatte er den Auftrag bekommen, in eben diesem „EZA II“ ein Skriptum zu besorgen. Er hatte den Namen der Sekretärin, sowie des Büros.

So weit, so gut. Eines Donnerstages machte  er sich frohen Mutes auf, um besagtes Skriptum zu erstehen.

Ich warnte ihn noch: „Unterschätze niemals die Macht des UZA’s.

Doch er wollte nicht hören.

So verwunderte es nicht, als er das erste Mal völlig unverrichteter Dinge zurückkam:

Er: „Ich habs nicht gefunden, es war mir schon so peinlich, was müssen die Leute von mir denken? Ich war über eine Stunde in diesem unfassbar großen Gebäudekomplex unterwegs. Du studierst schon dort, wo die Rolltreppen sind, oder?“

Ich: „Nein, da warst du wahrscheinlich im UZA 4“

Er: „Achso, ja, ich konnte das Büro nicht finden. Kann dir leider auch nicht mehr genau sagen wo ich war. Jedenfalls waren da plötzlich tote Haie und Wölfe und anderes Ungetier. -Unheimlich. Jedenfalls bin ich dann wieder heimgegangen, nachdem ich das vierte Mal an denselben Menschen vorbeigelaufen bin.  Das war mir schon so peinlich. Kannst du mir bitte vielleicht doch aufschreiben, wo das ist?“

Ich bewaffnete ihn also mit einer mehr oder weniger ordentlich ausgearbeiteten Wegbeschreibung, sowie hilfreichen Ratschlägen der Art: „Wenn du zu dem Büro willst, musst du also von der Pharmazie gesehen eine Ebene über dem Erdgeschoß gehen, und dich links halten! Das sind also 2 Ebenen über dem Eingang bei der Mathematik.“ und „Lass dich nicht verwirren, bewahre einen kühlen Kopf, dann wird’s schon hinhaun!“

„Danke, diesmal wird ich‘ s hoffentlich finden, so schwierig kann des ja nicht sein.“ meinte er…

Also probierte er es ein paar  Tage später, um genau zu sein am folgenden Donnerstag, ein zweites Mal.

Diesmal gelang es ihm, das richtige Gebäude zu finden und so wähnte er sich seinem Ziel nahe.

Er verfolgte meine Anweisungen so gut möglich, doch die vielen Lifte, Ebenen, Ausgänge, die schrägen Brücken, die abenteuerliche Krankonstruktion, die Dinosaurierskelette zollten ihren Tribut. Als er die Auswahl an Marmorböden sah, dachte er schließlich, er sei im Ausstellungsraum eines Innenarchitektenbüros gelandet.- Langsam, doch stetig verfiel er dem Wahnsinn.

Er lief von einem Ende des UZA’s zum anderen und wieder zurück. Er drehte und wendete den Zettel mit der Wegbeschreibung und schrie zum Schrecken der anwesenden Menschen: „Wo ist denn auf dieser verdammten Karte Norden!?!!“

Sein letzter Funken Verstand  drängte darauf, dringend das Gebäude zu verlassen und sich der  äußeren Welt, sprich geordneten Raumstrukturen, reiner Luft etc auszusetzen.

Da er das Vertrauen verloren hatte, dass die Lifte oder Stiegen ihn in die gewünschte Gebäudeebene bringen würden, lies er sich aus dem zweiten Stock in eine Pflanze fallen, die sich in der Ausgangsebene befand. So schnell wie möglich lief er zum nächsten Ausgang, riss die Tür auf und wähnte sich in Freiheit.

Eine trügerische Freiheit........

(Fortsetzung folgt)