Alle Frauen begehren ihn, Männer bekriegen sich seinetwegen, er ist der  König der Edelsteine:  der Diamant.  Aufgrund seiner Bedeutung, vielleicht auch ein wenig wegen des hohen Frauenanteils, begegnen  wiener PharmaziestudentInnen jener Kohlenstoffmodifikation sehr früh, nämlich in der Vorlesung „Allgemeine und anorganisch pharmazeutische Chemie“.

Besonders beliebt ist der Diamant bei Schurken, die seine Härte (Härte 10 der Mohs’schen Härteskala) nutzen, um das Fensterglas des Hauses, in dem sich das ersehnte Diebesgut befindet, zu  zerschneiden und sich so unauffällig Zutritt zu verschaffen. Auch in der Industrie wird  er genutzt um zu schneiden, zu bohren und zu schleifen und zumindest in Hollywood erweist sich der Diamant immer wieder als wichtiger Bestandteil hocheffektiver Laserwaffen.

Doch  das Diamantenbusiness ist gefährlich. An den Händen so manch eines  Diamantenhändlers klebt Blut.  Es sind heute wenige international tätige Großkonzerne, die den Diamantenabbau unter ihren Fittichen haben. Und Großkonzerne werden  wie wir alle wissen ohnehin meist von niederträchtigen Bösewichten geführt, die keinen Respekt vor Menschenwürde, freier Arbeitszeitgestaltung etc. besitzen.  Doch die Vormachtstellung dieser Konzerne ist bedroht…

Die Alchemisten unter uns Pharmazeuten werden es bereits wissen: Nicht nur existieren heute bereits Verfahren, kerntechnisch Gold (beispielsweise aus Quecksilberisitopen) herzustellen, auch künstliche Diamantenproduktion ist möglich. Nun ist dies im Falle des Goldes absolut unrentabel, im Falle des Diamanten hingegen sogar so rentabel, dass mittlerweile 80 Prozent des Weltdiamantenbedarfs durch künstliche Diamanten gedeckt ist.

Zwar ist die benötigte Temperatur um aus Graphit künstliche Diamanten herzustellen höher als die von flüssigem Magma und der benötigte Druck entspricht dem von annähernd dreihundert gleichzeitig explodierenden Airbags! Trotz dieser unfassbar großen Kräfte und damit ungeheurem Energieaufwand geht die Rechnung auf.

Als wäre das Selbstvertrauen des natürlichen Diamanten nicht schon genug geschädigt,  leidet er unter den Schleif- und Schneidemitteln auch noch großen Konkurrenzdruck von anderer Seite. Insbesondere die kubische Form des Bornitrids, des „Borazons“ , welches sich dem Diamanten gegenüber als hitzeresistenter, also bei höheren Temperaturen einsatzfähig erwiesen hat, macht ihm zu schaffen.

Darf es, kann es sein, dass der Diamant seine Bedeutung verliert?  Fraglich, denn schon die alten Inder sagten ihm ungeheure Zauberkräfte zu und es waren allein Götter, die frei über das Schicksal der Diamanten bestimmen durften. Im Buddhismus steht der Diamant oftmals als Sinnbild für „das Höchste“ und auch Plinius der Ältere schrieb, dass der Diamant zu den »Wertvollsten unter allen irdischen Dingen« gehöre.

Wird der Diamant, der aus den Tiefen der Erdkruste gegraben wird eines Tages völlig aus dem Leben der Menschen verschwinden? Lassen wir uns überraschen….

Jedenfalls möchte ich denjenigen unter uns, die vielleicht manchmal an ihren Fähigkeiten zweifeln, folgenden Spruch nahelegen:

Ein Diamant ist ein Stückchen Kohle, aus dem unter Druck etwas geworden ist.

Mit freundlichen Grüßen,

ChromosomZ23