Ich: „Bitte was ? Kohle? Du meinst, die verbrennen da nicht Müll, sondern Kohle? Aber das wäre ja Betrug!“

Sie: Das hab ich zuerst auch gedacht, aber der Rauch, der aus dem Turm kommt,  das ist kein typischer Kohlerauch und viel zu wenig für solche Mengen, ich kenn mich da aus, mein Vater hat in einem Kohlekraftwerk gearbeitet.“

Ich: „Achso? Was ist dann passiert?“

Sie: „Sie haben mich natürlich entdeckt. Es waren so uniformierte Kerle, es ging alles so  irrsinnig schnell. Innerhalb kürzester Zeit fand ich mich in einer fensterlosen Zelle wieder. Da saß ich dann einige Stunden und wartete darauf, dass  die Polizei mich abholen würde. Doch stattdessen tauchten  3 maskierte Männer auf und führten mich wortlos in einen sterilen Raum. Die haben mich brutal verhört. Waterboarding, Russisches Roulette, Kitzeln, diese Sachen. Sie wollten wissen, was ich gesehen habe. Doch ich blieb stark.“

Ich: „Was heißt, du bist stark geblieben? Ich dachte immer das sei unmöglich bei derartigen Foltermethoden!“

Sie: „Meine Mutter ist Offizierin beim Heeresnachrichtenamt, das ist der Auslandsgeheimdienst Österreichs und sie war immer eine strenge Mutter. Da lernt man, wie man Verhörmethoden widersteht. Ich hab denen erzählt, ich wäre betrunken in einer Mülltonne eingeschlafen. Ich denke, das haben sie mir abgekauft.“

Ich: „Das ist ja fürchterlich, wie bist du aus dieser Hölle wieder rausgekommen?“

Sie: „Nach drei Tagen ununterbrochenen Verhörs haben sie mich gehen lassen. Wenn ich wiederkäme, dann wäre das das letzte Mal und das wiederum wäre ein Versprechen.“

Ich: „Und dann bist du gleich zur Polizei gegangen, oder?“

Sie: „Zur Polizei? Die Polizei ist genau gegenüber des Kraftwerks! Glaubst du, die würden das genau gegenüber der Polizei machen, wenn sie Angst vor denen hätten? Die haben ja auch gesagt, wenn ich zur Polizei ginge, dann wär ich genauso dran, sie würden das sofort erfahren. Hättest du vielleicht was zu essen da? Ich hab solchen Hunger. Ich hab aufs Essen irgendwie vergessen seit ich da raus bin.“

Ich lud sie in die Mensa ein, wo sie sich mit den Worten „eigentlich bin ich ja Vegetarierin“ 2 Teller Cevapcici bestellte. Ihr Hunger musste  also beträchtlich gewesen sein. Wenige Minuten später, sie war beinahe fertig, legte sie die Gabel nieder und blickte auf die Reste auf ihrem Teller.

 „Glaubst du eigentlich an Gott?“, fragte sie.

Ich: „Die Hoffnung stirbt zuletzt. Was ist mit dir?“

Sie: „Das is ja mal eine klare Antwort. Ich weiß nicht. Wenn es Gott gibt, warum lässt er dann zu, dass sowas passiert? “

Ich: „Vielleicht ist Gott ja böse.“

Sie: „Vielleicht.“

Ich: „Allerdings hättest du mich nie kennengelernt, wenn dir das nicht passiert wäre.  Sieh‘s mal so!“

Sie: „Ja, du hast Recht. Es gibt Gott- und er ist mit Sicherheit böse.“

 

Mit freundlichen Grüßen,

ChromosomZ23