Der Bericht des Studenten CZ23 (Teil 3):

 

Ein alter Freund

Als der Polizeiarzt die Decke von der Bare entfernte drang mir ein widerwärtiger, stechender und zugleich faulig-süßer Geruch in die Nase, der zu sofortigem heftigen Brechreiz führte. Reflexartig drehte ich mich um.

Mein rechtes Augenlid zuckte, und ich war einem Kreislaufkollaps nahe.

Doch ich zwang mich dazu, wieder hinzusehen.

Obwohl der Verwesungprozess schon einigermaßen fortgeschritten war, konnte ich M. eindeutig identifizieren.

Er sah extrem ausgezehrt und abgemagert aus. Seine Augen traten hervor und die meisten Haare waren anscheinend ausgefallen.

Überall klebte schwarzer Staub an ihm und man konnte auch über den ganzen Körper verteilte Schürfwunden und Blutergüsse sehen, ähnlich einem verünglückten Kletterer. Seine Fingernägel waren abgenutzt und dreckig, als hätte er tagelang in steiniger Erde gescharrt und in seinen Händen befanden sich kleine Kohlestückchen.

 

"Wissen sie, was das zu bedeuten hat?" fragte ich den Polizeiarzt, auf den leblosen Körper starrend?

"In eine Baugrube gestürzt, der Fall ist abgeschlossen..." kam die Antwort, einsilbig und unsensibel.

"Nicht sehr glaubwürdig" , dachte ich mir, irgendetwas stimmt hier nicht.

"Er... ist es." presste ich aus mir heraus und machte Anstalten den Raum zu verlassen.

"Hier noch eine Unterschrift, dann haben sie es überstanden. Herzliches Beileid."

-geheuchelt.

Ich setzte eine zittrige Unterschrift auf den Papierbogen.

"Das passt alles nicht zusammen, das war kein Unfall" dachte ich, den Raum verlassend und schwor mir, der Sache auf den Grund zu gehen.