Eines Tages war er da. Brille. Hagere Erscheinung. Stechende, kleine, hellblaue Augen. Das schütteres Haar übertrieben ordentlich gekämmt. So stand er mitten in der Aula des Pharmaziezentrums.

Eine latente Aura des Wahnsinns umgab ihn. Genau die Art Mensch, um die man normalerweise einen großen Bogen macht, denen man nie den Rücken kehrt, ein Vollpsycho wie er im Buche steht, klar ersichtlich für jedermann.


Er sprach mich einfach an, nein, er stotterte mehr, welche Filme ich denn so bevorzuge. Völlig überrumpelt gab ich die Informationen preis und realisierte langsam, was ich mir da eingehandelt habe.


Er streckte mir eine schwitzige Hand entgegen, während sich sein Gesicht zu einer grotesken Fratze verzog.

 

"Ragnar der IV. ist mein Na-^-me", das sollte wohl ein Lächeln sein.

Seine Zähne waren seltsam abgestumpft, so als ob er ständig an Knochen herumkauen würde.


Dann fing er an mit dumpfer Stimme zu erzählen wobei er seine Worte auf eigenartige weise verschluckte. Eigentlich verstand man gar nicht, was er sagte. Jedes 3. Wort klang in etwa so wie "Greif-^-en-^-horst" oder "Geif-^-er-^-frost"... IRGENDWAS!!!

Ich konnte nur nicken und dümmlich lächeln, derweil ich mir eine Fluchtausrede ausdachte. Etwas wie: "Ich muss dringend weg,..."

Aber ich blieb stumm. Ich war wie gelähmt.


Der unverständliche Wortsalat meines neuen "Freundes" steigerte sich zu einer Arie des Irrsinns.

...ein-^-Fleischtran-^-sporter-^-wur-^-de-^-auch-^-noch-^-doch-^-schon-^-aufgehalt-^-en...“

Ich schwöre, hätte ich in diesem Moment eine Cyanidkapsel zwischen meinen Zähnen gehabt, ich hätte sie verdammt nochmal zerbissen.


Seltsam auch, wie sich "Ragnar" bewegte: Hölzern ausgeführte Macho-Gesten begeliteten, ein unrythmisches abgehacktes Blinzeln, gefolgt von längeren Starrintervallen.


Dann starrte er nur noch ohne etwas zu sagen. Er starrte einfach durch mich hindurch.

Das war meine Chance... abhauen, jetzt oder nie!

Direkt am Absatz drehte ich mich um, presste ein kaum hörbares „Ciao“ heraus und spurtete durch den Ausgang.

Draußen ging ich dann mit mäßigem Tempo in Richtung U-Bahn das Pharmaziegebäude entlang.

Als ich am anderen Ausgang vorbeikam sah ich ihn dann plötzlich wieder.


Lässig zündete er sich ein Zigarillo an, setzte eine überaschenderweise hochmodische Sonnenbrille auf und schreitete John-Wayne-Syle in Richtung Straße, wo eine goldene, mindestens 5.000.000 Euro Stretchlimousine wartete, in die er von den weichen Körpern halbnackter, vollbusiger Starlets, wie an Schienen, hineindirigiert wurde.


Äußerst skurril !“ dachte ich und verließ die Szenerie.